Hanf, Cannabis, Marihuana, Ganja… Viele Namen für ein und dieselbe Pflanze: Cannabis sativa. Lange bevor sie wegen ihrer Wirkung von sich reden machte, hat sie die Menschheit jahrtausendelang gekleidet, ernährt und gepflegt. Hier ist die Geschichte des Hanfs – von der Urzeit bis zum CBD, das du heute in der Schweiz findest.

Hanf, eine Pflanze mit tausend Verwendungen

Hanf stammt ursprünglich aus Zentralasien. Er ist robust, wächst schnell, ist von Natur aus widerstandsfähig gegen viele Insekten und braucht im Gegensatz zu Baumwolle kaum Pestizide. Seine tiefen Wurzeln lockern den Boden und seine Rückstände reichern ihn an – ideal für die Fruchtfolge.

Fast die ganze Pflanze lässt sich verwerten:

  • die Faser: Textilien, Seile, Segel, Papier;
  • die Schäben (das Innere des Stängels): Dämmstoffe und Hanfbeton;
  • die Samen: Öl und Lebensmittel, reich an Proteinen, Ballaststoffen und Fettsäuren;
  • die Blüten: Cannabinoide wie CBD und THC.

Gerade das THC, das Molekül, das «high» macht, hat dem Hanf im 20. Jahrhundert seinen schlechten Ruf eingebracht. Dabei gehört er zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit.

Urzeit: eine der ersten Kulturpflanzen

Hanf begleitet den Menschen seit der Jungsteinzeit. In Ostasien haben Archäologen Keramiken mit Abdrücken von Hanffasern gefunden, von denen einige aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. stammen (Yangshao-Kultur in China). Schon damals wurden seine langen, reissfesten Fasern zum Weben und seine Samen als Nahrung genutzt.

Antike: Faser, Samen und Heilmittel

In China wird Hanf im Shennong bencao jing erwähnt, einem der ältesten Werke über Heilpflanzen. Die Überlieferung schreibt es dem legendären Kaiser Shennong zu, der um 2700 v. Chr. gelebt haben soll – auch wenn der Text in seiner bekannten Form viel später verfasst wurde.

Danach reist der Hanf mit den Nomadenvölkern. Die Skythen, Reitervölker der eurasischen Steppe, tragen zu seiner Verbreitung bis an die Tore Europas bei. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet sogar, dass sie Hanfsamen auf glühende Steine warfen, um den Rauch einzuatmen.

Im alten Ägypten wurden aus Hanf Seile hergestellt, und manche Forscher vermuten, dass er im Papyrus Ebers erwähnt wird, einem medizinischen Text aus der Zeit um 1550 v. Chr. In Rom gibt Plinius der Ältere in seiner Naturgeschichte Tipps zum Anbau: Sortenwahl, Aussaatzeit, Ernte.

Mittelalter: eine strategische Pflanze

Nach der Schlacht am Talas im Jahr 751 zwischen dem Abbasiden-Kalifat und dem China der Tang-Dynastie erfahren die Araber von chinesischen Gefangenen das Geheimnis der Papierherstellung – unter anderem aus Hanffasern. Das Wissen verbreitet sich danach über Nordafrika und Spanien in ganz Europa.

Im Mittelalter wird Hanf zu einem strategischen Rohstoff. Fast jedes Dorf baut ihn an, für Kleidung, Säcke und vor allem Seile. Karl der Grosse soll seinen Anbau im ganzen Reich gefördert haben.

Neuzeit: die Pflanze, mit der die Welt segelte

Im 16. bis 18. Jahrhundert lassen die grossen Seefahrten die Nachfrage explodieren. Segel, Taue, Wanten: Ein Kriegsschiff konnte dutzende Tonnen Hanf an Bord haben. Auch die Karavellen von Christoph Kolumbus waren damit ausgerüstet. Hanf diente also nicht nur zum «High-Werden» – vor allem hat er uns das Segeln ermöglicht.

Im 19. Jahrhundert beobachtet der irische Arzt William Brooke O’Shaughnessy in Indien die traditionelle Verwendung von Cannabis und macht sie in der westlichen Medizin bekannt. Cannabis-Tinkturen kommen in die Apotheken Europas und der USA. Zur gleichen Zeit verleihen Berichte über Napoleons Ägyptenfeldzug und die Pariser Schriftsteller des «Club des Hachichins» der Pflanze ein verruchteres Image. Einer hartnäckigen Legende nach soll sogar das Wort «Assassine» von «Haschischin» abstammen.

20. Jahrhundert: Niedergang und Verbot

Anfang des 20. Jahrhunderts verdrängen Baumwolle, Kunstfasern und Holzzellstoff nach und nach den Hanf. Dann stufen internationale Abkommen Cannabis als Betäubungsmittel ein. Der Anbau bricht ein, und Hanf überlebt nur noch in Nischen wie Dünndruckpapier (Bibelpapier, Zigarettenpapier).

Ab den 1960er-Jahren ermöglicht die Züchtung von THC-armen Industriesorten eine langsame Rückkehr des Hanfs auf die Felder – für Dämmstoffe, Kosmetik, Lebensmittel oder die Autoindustrie.

Sativa, Indica, Ruderalis: die grossen Familien

Man unterscheidet oft drei Cannabis-Typen:

  • Cannabis sativa: hohe, luftige Pflanze mit weniger dichten Blüten, typisch für warme Regionen;
  • Cannabis indica: 1785 vom französischen Naturforscher Jean-Baptiste de Lamarck benannt, kleiner und kompakter, mit dichten Blüten, ursprünglich aus den Bergen Asiens (Hindukusch);
  • Cannabis ruderalis: kleine Wildpflanze aus Eurasien, arm an Cannabinoiden, die je nach Alter statt nach Tageslänge blüht.

Heute sind die meisten Sorten Kreuzungen. Man spricht auch von Indoor-Anbau (drinnen, kontrolliertes Klima), Greenhouse (im Gewächshaus) oder Outdoor (im Freien), was Aussehen, Aroma und Dichte der Blüten beeinflusst.

Heute: das Comeback von Hanf und CBD in der Schweiz

Die Schweiz hat eine lange Hanftradition: Früher wurde er in vielen Regionen für Textilien und Seile angebaut. Seit 2011 gilt hier eine klare Grenze: Produkte mit weniger als 1 % THC unterstehen nicht dem Betäubungsmittelgesetz. Diese Regel ermöglichte ab 2017 den Boom von CBD (Cannabidiol), einem Hanfmolekül ohne berauschende Wirkung.

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Häufige Fragen zur Geschichte des Hanfs

Seit wann baut der Mensch Hanf an?

Seit der Jungsteinzeit. In Ostasien wurden mehrere tausend Jahre alte Spuren von Hanffasern gefunden, was ihn zu einer der ältesten Kulturpflanzen macht.

Was ist der Unterschied zwischen Hanf und Cannabis?

Botanisch ist es dieselbe Pflanze: Cannabis sativa. Umgangssprachlich nennt man THC-arme Sorten, die für Fasern, Samen oder CBD angebaut werden, «Hanf» und THC-reiche Sorten «Cannabis».

Warum wurde Hanf verboten?

Im 20. Jahrhundert liessen die Konkurrenz durch Baumwolle und Kunstfasern und danach die Einstufung von Cannabis als Betäubungsmittel in internationalen Abkommen den Anbau einbrechen. THC-arme Industriesorten haben ihn später schrittweise zurückgebracht.

Quellen